Krafttraining erhöht IGF-1 um 20%

Kraftsteigerung und Verjüngungseffekte durch IGF-1

 

Aus früheren Studien ist bekannt, dass bei einem Krafttraining der Spiegel des anabolen und fettverbrennenden Wachstumshormons (STH) deutlich ansteigt und für etwa 60 Minuten nach Beendigung des Trainings erhöht bleibt. Der insulinähnliche Wachstumsfaktor-1 (IGF-1), der die anabolen Wirkungen von STH vermittelt, steigt jedoch in den ersten 2 Stunden nach dem Training nicht an. Versuche mit injizierbarem STH ergaben, dass es 16 Stunden dauern kann, ehe dieser Wachstumsfaktor, der in der Leber unter dem Einfluss von STH gebildet wird, ansteigt.

Nach dem 25.-30. Lebensjahr sinkt nicht nur der STH-Spiegel im Blut ab, sondern auch der des IGF-1, was u.a. für den Verlust an Muskelmasse, den vermehrten Fettansatz und die schlechtere Insulinsensitivität im Alter verantwortlich gemacht wird.

Interessant sind daher die Daten von Borst et al. [1], die 31 Männer und Frauen zwischen 25 und 50 Jahren während eines 25-wöchigen Krafttrainings untersuchten und bei diesen Personen den IGF-1 und dessen Bindungsproteine im Verlauf bestimmten. Da die Konzentrationen des Wachstumshormons im Tagesverlauf sehr starken Schwankungen unterworfen sind, eignet sich die Bestimmung des wesentlich stabileren IGF-1-Spiegels deutlich besser zur Beurteilung des Wachstumshormonhaushaltes. Daneben wurde bei dieser Studie auch untersucht, ob bei Untrainierten ein Einsatztraining oder ein Mehrsatztraining effektiver für einen Kraftzuwachs ist. Die Probanden führten dreimal wöchentlich ein Ganzkörpertraining mit insgesamt sieben Übungen durch. Die eine Gruppe absolvierte nur einen Satz mit 8-12 Wiederholungen bis zum Muskelversagen, die andere jeweils drei Sätze bei jeder Übung.

Als Ergebnisse bleiben festzuhalten, dass der Großteil des Kraftzuwachses in den ersten 13 Wochen stattfindet. Dies ist auf die zu Beginn des Trainings starken Verbesserungen des Nerv-Muskel-Zusammenspiels zurückzuführen, was aus früheren Studien bekannt ist. Interessant war bei dieser Untersuchung, dass bei der Gruppe, die drei Sätze pro Übung ausführte, der Kraftzuwachs um 50% größer war als bei der Gruppe, die bei jeder Übung nur einen Satz ausführte. Dies dürfte wieder einmal die Diskussionen schüren, ob ein Einsatz- oder Mehrsatztraining nun effektiver ist.

Doch zurück zu den hormonellen Parametern. Der IGF-1-Spiegel stieg bei allen Probanden im Blut in den ersten 13 Wochen um ca. 20% an und blieb dann im weiteren Verlauf der Studie auf diesem Niveau stabil, unabhängig von der absolvierten Satzzahl. Interessant war, dass bei der Gruppe, die drei Sätze durchführte, das Bindungsprotein des Wachstumsfaktors IGFBP-3 um ca. 20% absank, was mehr freies IGF-1 bedeutet und damit eine stärkere Wirkung dieser Substanz. Damit ließe sich auch der höhere Kraftzuwachs bei dieser Gruppe erklären. Die Ursachen für den Anstieg des IGF-1 durch ein regelmäßiges Krafttraining können vielfältig sein: In Frage kommen eine erhöhte Produktion dieses Wachstumsfaktors in der Leber durch erhöhte STH-Spiegel in Folge des Trainings oder aber direkte Anstiege des IGF-1 durch eine Freisetzung aus der trainierten Muskulatur (auch die Skelettmuskulatur selbst kann den Wachstumsfaktor IGF-1 produzieren).

Festzuhalten bleibt letztlich, dass ein regelmäßiges Krafttraining im mittleren Erwachsenenalter sich positiv auf den natürlicherweise abfallenden IGF-1-Spiegel auswirkt und damit evtl. auch „verjüngende“ Effekte entfalten kann, was die Erfahrungen bestätigt, dass Personen, die regelmäßig im Studio trainieren, in ihrem biologischen Alter oft jünger sind als es ihrem kalendarischen entspricht. Allerdings wird mit den Ergebnissen dieser Arbeit erneut die Diskussion entflammen, ob nun bereits ein Satz für optimale Fortschritte im Training ausreicht oder ob mehrere Sätze effektiver sind.


[1] Borste SE, De Hoyos DV et al.: Effects of resistance training on insulin-like growth factor-I and IGF binding proteins. Med Sci Sports Exerc 33, 648-653, 2001

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